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Soundinstallation, realisiert für die Dachstein GesmbH, Obertraun/A, 2008









„Whatever is fitted in any sort to excite the ideas of pain and danger, that is to say, whatever is in any sort terrible, or disconversant about terrible objects... is a source of the sublime.“1

Warum üben Höhlen auf Menschen eine derart grosse Faszination aus? Die Begehung einer Höhle konfrontiert den Besucher mit dem Gefühl des Erhabenen. Man steigt hinab ins Innere, Unsichtbare, Unendliche. Erhaben ist alles Große, Kraftvolle, Mächtige und nach Kant, „was auch nur denken zu können ein Vermögen des Gemüts beweiset, das jeden Maßstab der Sinne übertrifft“.2 Das Gefühl des Erhabenen entsteht aber erst, wenn unser Ich gegenüber der Frustration, die es durch das Große erleidet, mit einer Erhebung über das Sinnliche, mit einem Bewußtsein der eigenen Größe, die selbst das Große der Natur, des Nicht-Ich, im Bewußtsein zu umspannen vermag, reagiert. Demnach ist erhaben „was durch seinen Widerstand gegen das Interesse der Sinne unmittelbar gefällt.“, denn das Wohlgefallen am Erhabenen der Natur ist „nur negativ”, „nämlich ein Gefühl der Beraubung der Freiheit der Einbildungskraft“.3 Edmund Burke geht sogar noch einen Schritt weiter: für ihn ist erhaben, was die Vorstellung von Schmerz und Gefahr ins uns hervorruft.

„Ich schwärme für einfache Genüsse, sie sind die letzte Zuflucht der Komplizierten.“2

Der Bruch mit ästhetischen Regeln, eine Ästhetik des Aussergewöhnlichen, Irregulären kennzeichnet das Erhabene und unterscheidet es vom Schönen. Gleichwohl ist dieses ästhetische Feld von seltsamer Struktur. Es gibt zwei scheinbar gegensätzliche Topologien, deren Gegensatz an einem bestimmten Punkt ausser Kraft gesetzt wird: die Ästhetik der Absenz, der Reduktion und die des wilden Überflusses, des Camp. Die Höhle zeichnet sich durch eine Ästhetik der Absenz aus: nackter Fels, Totenstille, absolute Dunkelheit. Um der Höhle dieses Terrain nicht streitig zu machen, bewegt sich die Arbeit in die diametrale Richtung und spiegelt das erhabene Moment auf spielerisch, kindlich-triviale Weise.

Die Koppenbrüllerhöhle ist wegen der leichten Begehbarkeit für Familien mit Kindern und Schulklassen besonders geeignet. Das Klettern auf dem „Höhlenforscherpfad“ lässt das Herz eines jeden Kindes höher schlagen. Kinder sind somit gewissermassen die wichtigste „Zielgruppe“ dieser Höhle. Deshalb befasst sich die Arbeit mit den Erfahrungen, die Kinder hier während der Begehung machen. Von Kindern gesprochene Kommentare, Berichte, Reime zum Thema Höhle allgemein und im speziellen in Bezug auf die Koppenbrüllerhöhle wurden aufgezeichnet und zu den Besucher begleitenden Klangcollagen zusammengefügt.

(kmr)

Quellen
1 Burke, Edmund [1757]: A philosophical enquiry into the origin of our ideas of the sublime and beautiful, Oxford University Press, USA, 1998, S.37
2 Kant, Immanuel [1790]: Kritik der Urteilskraft, Werkausgabe, Bd. X, Frankfurt, 1977, §25
3 ebd. §29
4 Sontag, Susan [1964]: Anmerkungen zu Camp, in: dies.: Geist als Leidenschaft. Ausgewählte Essays zur modernen Kunst und Kultur, Leipzig, Kiepenheuer, 1990, S.337